Berechnungsverfahren der Nutzheiz-Energiekennzahl (Kurzfassung)

Ein vereinfachtes Berechnungsverfahren nach der Europanorm EN 832 macht es möglich, die Energiekennzahl von Ein-/Zweifamilien- und Reihenhäusern bereits in der Planungsphase zu ermitteln. Das Rechenverfahren beruht auf der Nutzenergiebilanz des Gebäudes, das individuelle Benutzerverhalten wird dabei nicht berücksichtigt.
Bei der Ermittlung der Nutzheiz-Energiekennzahl (in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr) werden die Transmissionswärmeverluste, die Lüftungswärmeverluste und die passiven solaren sowie inneren Gewinne berechnet (in kWh pro Jahr) und auf die Energiebezugsfläche (in m²) - entspricht der beheizten Bruttogeschoßfläche - bezogen.
Der Energiebedarf und damit die Nutzheiz-Energiekennzahl eines Gebäudes werden u.a. von folgenden Parametern beeinflusst:
Einflussgrößen auf die NEZ
Kompakte Bauweise
Unter einer kompakten Bauweise eines Gebäudes versteht man eine geringe Außenoberfläche (A) bei einem vorgegebenen Nutzvolumen (V). Ein kleines A/V-Verhältnis verringert die Wärmeverluste und ist das Maß für die Kompaktheit.
Es ist daher bei der Gebäudeplanung zu überlegen, ob An-, Auf- und Vorbauten notwendig sind. Aufwendige Gebäudeteile (z.B. Erker) erhöhen darüber hinaus die Errichtungskosten, bergen die Gefahr von Wärmebrücken in sich und erfordern teure Detaillösungen.
Kalte Räume, wie z.B. Windfang, Dachboden, Wintergarten und Lagerräume, sollten außerhalb der wärmegedämmten Gebäudehülle angeordnet sein.
Ein gutes A/V-Verhältnis besitzt beispielsweise ein Haus mit rechteckigem Grundriss und zwei Geschoßen. Mehrfamilienhäuser weisen ein besonders gutes A/V-Verhältnis auf und benötigen deshalb weniger Energie, bezogen auf die Wohnfläche.
Südausrichtung des Gebäudes und solare Gewinne
Durch Glasflächen wird Strahlungsenergie der Sonne in das Gebäude eingebracht. Diese Wärmegewinne sind vor allem in der Heizsaison erwünscht.
Das Gebäude soll möglichst nach Süden orientiert sein, bei groß dimensionierten Fensterflächen sind die Verluste während der Nachtstunden und die mögliche Überhitzung im Sommer zu beachten.
Die Fensterfläche in Richtung Norden soll möglichst klein sein. Ein allfälliger Wintergarten sollte vom Wohnraum getrennt und möglichst nach Süden ausgerichtet sein.
Guter Wärmeschutz
Um die geforderten Kriterien zu erfüllen, muss der Wärmeschutz über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen.
Die effektivste Wärmedämmung ist die der obersten Geschoßdecke bzw. im Dachbereich mit mind. 20 cm Dämmmaterial.
Die Kellerdecke sollte mit mind. 12 cm Wärmedämmung (eventuell zum Teil auch von unten an die Kellerdecke aufgebracht) ausgestattet sein, wodurch auch hier der Wärmefluss deutlich gebremst wird.
Neue Isolierverglasungen - sog. Wärmeschutzverglasungen (U=1,1 W/m²K oder kleiner) mit einer kaum sichtbaren Metallbedampfung (diese reduziert die Wärmestrahlung von der inneren zur äußeren Scheibe) und Edelgasfüllung (Verminderung der Wärmeleitung) - sind bei Glasflächen heute Stand der Technik. Darüber hinaus sind bereits Verglasungen mit einem U-Wert von bis zu 0,4 W/m²K im Handel. Ein wichtiger Bestandteil des Fensters ist ein wärmedämmender Rahmen.
Um einen hohen Wärmedämmwert bei Außenwänden zu erreichen, gibt es verschiedene Wandaufbauten: z.B. hochporosierte Ziegelsteine, Wärmedämmverbundsysteme mit 12 cm Wärmedämmung, zweischaliges Mauerwerk mit 14 cm Kerndämmung oder Holzleichtbauwände mit mindestens 20 cm Wärmedämmung.
Die Vermeidung von Wärmebrücken ist absolut notwendig, d.h. thermische Trennung auskragender Bauteile, Deckenkranzdämmung, Dämmung der Überleger von Fenstern und Türen, ausreichende Dämmung von Rolladenkästen, etc. Ein wichtiges Kriterium für den Energieverbrauch eines Gebäudes ist die Dichtheit (z.B. im Dachbereich). Unkontrollierter Luftwechsel führt zu einem Energiemehrverbrauch und kann Bauschäden zur Folge haben.
Weitere Informationen
Weitere Informationen sowie Downloadmöglichkeiten finden Sie auf der Homepage des Landes OÖ.

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